Wiesbaden
Wiesbaden ist nicht nur die hessische Landeshauptstadt, sondern aufgrund seiner Thermal- und Mineralquellen auch eine der ältesten und mondänsten Kurstädte Deutschlands. Mit seinen zahlreichen repräsentativen Gebäuden, die vom Reichtum des Bades im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts zeugen, gilt die Stadt außerdem als Musterbeispiel des Historismus und Klassizismus. Die Geschichte Wiesbadens begann mit den Römern. Sie wussten von den heißen Quellen und errichteten etwa 10 n. Chr. am Rande des heutigen Stadtgebiets eine Befestigung. Daraus entstand eine römische Siedlung, welche im 12. Jahrhundert von den Nassauer Grafen erworben wurde. In den kommenden 7 Jahrhunderten entwickelte sich das „Bad in den Wiesen“ nur unwesentlich. Dies änderte sich, als der Ort zur Residenz des Herzogtums Nassau wurde – und dadurch eine ungeheure städtebauliche Metamorphose erlebte, die mehrere Jahrzehnte andauerte. Nach dem Deutschen Krieg fiel die Stadt 1866 zwar an Preußen und verlor damit den Status als Residenzstadt, jedoch konnte dies den Aufschwung Wiesbadens und seinen weiteren Ausbau als Kurbad, Kongressstadt und Verwaltungssitz nicht bremsen. „Nizza des Nordens“ wurde der zweite Namen Wiesbadens, und wegen der regelmäßigen Besuche Kaiser Wilhelms II. zur Sommerfrische bezeichnete man das Bad auch gerne als „Kaiserstadt“. Die Anwesenheit des Kaisers zog natürlich auch zahlreiche Adlige, reiche Unternehmer und Künstler nach Wiesbaden. Damit wurde die Kurstadt immer mondäner und immer mehr prunkvolle Bauten entstanden. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung schnell auf über 100.000 Einwohner. Damit hatte Wiesbaden den Status der Großstadt erreicht und es war nötig, die Stadt in großem Umfang zu erweitern. So wurden mehrere neue Wohngebiete geschaffen, die mit ihren in klassizistischem und historistischem Baustil gehaltenen Häusern enormen Wohlstand repräsentierten. Zudem siedelten sich immer mehr Millionärsfamilien und Großfirmen an, und das Bad war eine Zeitlang die Stadt mit den meisten Millionären Deutschlands. Mit dem Ersten Weltkrieg endete zwar Wiesbadens goldene Zeit als elegante Kurstadt, von den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges jedoch blieb die Stadt glücklicherweise weitgehend verschont. Und so erfreut die Wiesbadener Innenstadt heute ihre Besucher mit einem sehr einheitlichen Gesamtbild. Dazu gehören nicht nur wunderschöne Gebäude, die fast alle dem Klassizismus, Historismus oder Jugendstil zugerechnet werden, sondern auch großzügige Wohngebiete mit prächtigen Gründerzeitfassaden und eleganten Alleen. Hier sind besonders Rheingau-, Dichter- und Feldherrenviertel und die Gegend rund um die Ringkirche einen Besuch wert. Selbstverständlich sollte man auch das elegante Kurhaus, das Hessische Staatstheater und die Ringkirche gesehen haben. Jene Gebäude demonstrieren wie die Wilhelmstraße und der Kurpark die Eleganz und Pracht des Historismus und erinnern an den Glanz der vergangenen Kaiserzeit. Aber auch das mittelalterliche Wiesbaden, das so genannte Historische Fünfeck, lohnt eine Besichtigung. Damit ist der Schlossplatz gemeint, welcher vom ehemaligen Stadtschloss der Nassauischen Herzöge dominiert wird. Hier stehen auch die Marktkirche, das Neue Rathaus und das älteste erhaltene Gebäude der Wiesbadener Innenstadt, das 1608 erbaute Alte Rathaus. Wer Wiesbaden besucht, der interessiert sich nicht nur für Geschichte und Vergangenheit, sondern für Kultur allgemein und das Savoir-Vivre. Und auch in dieser Hinsicht hat das Kurbad einiges zu bieten. Neben dem Hessischen Landesmuseum, dem „Erfahrungsfeld der Sinne“ im Schloss Freudenberg, einem Frauen- und einem Deutsch-Jüdischen Museum lockt die elegante Wilhelmstraße mit ihren noblen Geschäften und Cafés. Sie lädt ein zum Einkaufen, Verweilen und Genießen – und vielleicht überredet der Blick auf die grünen Parkanlagen Wiesbadens zum Abschluss des Tages im „Bowling Green“, dem Kurpark oder im Landschaftspark „Warmer Damm“. Da die Wiesbadener gerne feiern, sind die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen der Stadt für sie heiß ersehnte Highlights. Dazu gehören im Frühling die seit mehr als 100 Jahren stattfindenden Maifestspiele und das Internationale Reit- und Springturnier im Schlosspark zu Biebrich – im Sommer locken das gigantische Wilhelmstraßenfest und das Weinfest auf dem Schlossplatz. Wiesbaden ist und bleibt eben Eleganz pur!